Köster ist nah dran an der Schallmauer des Windsurfens

Während einige Gleichaltrige ihr Studium an der Universität wieder aufnehmen, erzählt Philip Köster, das 19-jährige Wunderkind, dass er bereits 85 Prozent auf dem Weg zum aktuellsten Heiligen Gral in der Windsurfszene – den dreifachen Forward – zurückgelegt hat. Für die weniger Eingeweihten: Es handelt sich dabei um einen dreifachen Vorwärtssalto, mit drei Drehungen in der Luft und einer Landung, nach der man sofort weiter surfen und leben kann, um von dem Märchen zu erzählen. „80 bis 85 Prozent des Weges habe ich hinter mir“, sagt Köster sachlich. „Ich denke, ich habe die Höhe und schaffe die Drehungen. Jetzt muss ich es einfach machen. Ich habe es versucht, brauche aber die richtigen Bedingungen. Es wird auf Gran Canaria (wo er mit seinen Eltern aufgewachsen ist) passieren. Voriges Jahr war ich bei 50 bis 60 Prozent. Ich habe viele Zweifach-Sprünge gemacht und einige waren ziemlich hoch. Ich glaube, dass ich sie jetzt kontrolliere und fühle mich sicher.“ Köster definiert die Regeln des Möglichen neu: Die Gravitationskräfte, die auf einer Höhe von 30 Fuß bei der Rotation und der Geschwindigkeit auf ihn wirken, sind vergleichbar mit denen eines Kampffliegers. Wenn er den dreifachen Sprung steht, wird er in die Gesellschaft der größten Sportler aufsteigen – zu Usain Bolt, Nadia Comaneci, Bob Beamon, Greg Louganis und Robbie Naish.

Was ist der Unterschied bei der Sicherheit zwischen einem zweifachen und einem dreifachen Salto? „Es geht darum, es auszuprobieren. Es ist reine Kopfsache. In deinem Kopf erscheint ein einfacher Vorwärtssalto schwierig mit der Drehung und dem Wissen, dass du dich verletzen kannst.“

Hat er sich bei dem Versuch bereits verletzt? „Nicht wirklich, nur mit dem Rücken bin ich ein paar Mal hart auf das Wasser aufgeschlagen“, erzählt er. „Ich habe mich einmal am Rücken verletzt. Am Halswirbel. Ich habe mich verdreht und konnte nicht richtig atmen. Ich habe zwei Tage gewartet und dachte, dass es dann schon gehen würde, aber beim Surfen tat es noch weh. Ich glaube, ich hätte länger warten müssen, ungefähr zwei Wochen. Es passierte in der Woche vor dem Weltcup auf Teneriffa (im August), ich hatte also immer noch Schmerzen (als er gewann).“

Er ist gewillt, seinen Weltmeistertitel zu verteidigen: „Ich möchte ihn nicht abgeben. Ich möchte wieder Weltmeister werden, aber es wird jedes Mal schwieriger. Ich liebe den Wettkampf in Klitmøller, ich liebe es, hier zu sein und will jedes Mal gewinnen. Manchmal bekommst du perfekte Wellen. Es macht einfach Spaß. Wir hatten bisher viel Glück mit den Bedingungen, also hoffe ich, dass es am Samstag die Möglichkeit gibt, den Wettkampf durchzuführen.“ Aber die Herausforderung des Dreifach-Saltos sorgt für die nötige Motivation, wenn er zu Hause auf Gran Canaria trainiert.

Ist er besorgt, dass irgendjemand ihn besiegen könnte, vielleicht Ricardo Campello, der fliegende Brasilianer? „Ich glaube Ricardo ist verrückt genug“, lacht er. „Er ist definitiv einer, dem es gelingen könnte.“ Aber wo soll das aufhören? Gibt es vielleicht einen Zwölfjährigen, der in zehn Jahren einen Vierfachsprung zeigen wird? „Naja, man weiß nie. Vor noch nicht allzu langer Zeit galt ein einfacher Vorwärtssalto als verrücktester Sprung. Dinge verbessern sich. Vielleicht also in fünf Jahren.“

Hat er körperlich trainiert? „Nein, ich hatte keine spezielle Vorbereitung. Normalerweise essen ich vor dem Training Pizza.“

Köster ist eines dieser Naturtalente, das von dem Rest der Welt häufig missverstanden wird. Journalisten und Windsurfer, die seinen Rat suchen, können ihn nicht begreifen. Sie blicken in unbekannte Tiefen. „Leute kommen und fragen mich nach meinen Moves, aber meistens kann ich sie nicht erklären, weil ich nicht über sie nachdenke, ich denke nicht, wie ich sie mache. Einige Menschen glauben nicht, dass das stimmt, dass ich darüber nicht nachdenken würde.“

Köster ist nicht arrogant. Er ist vielmehr immer noch der scheue Teenager und wäre viel lieber auf dem Wasser als auf dem Cold-Hawaii-Sofa – dennoch ist er nicht unfreundlich. Nachdem er voriges Jahr in Klitmøller Weltmeister wurde, sagte er als Erklärung: „Ich kann die Zeit verlangsamen.“ Es war keine Prahlerei, sondern eine Tatsache.

Rasmus Johnsen

Cowork Klitmøller, 84 Ørhagevej, Thisted, 7700, Denmark

I am a philosopher and possess knowledge of new media, that allows people to effectively communicate and organize themselves into systems that are designed to support and profit from collective preferences, intelligence, and talent. I am an entrepreneur and I have several years of experience in managing innovation projects. I have worked with politicians and elected officials, public administration employees, for-profit companies, and NGOs.

http://www.worldcup.coldhawaii.com/blog/koster-ist-nah-dran-an-der-schallmauer-des-windsurfens